Schöne Bewegungen sind angeboren. Sind können aber sowohl verloren gehen als auch verbessert werden. Denn ein Muskel empfängt einerseits vom Nervensystem Bewegungssignale, andererseits meldet er auch die Art und Weise der ausgeführten Bewegung an das Nervensystem zurück. Über Propriozeptoren gelangen Informationen über Stellung und Bewegung des Körpers im Raum in das Zentralnervensystem. Hier werden Bewegungen und Reflexe koordiniert. So wird Pferden beispielsweise ermöglicht, in rasantem Tempo über eine unebene nasse Wiese zu galoppieren ohne zu stürzen. Auch die Koordination der Grundgangarten in ihrer speziellen Fußfolge liegt hier begründet. Die Propriozeptoren des Nervensystems, Verschaltungen über Interneurone innerhalb des zentralen Nervensystems einschließlich des Gehirns ermöglichen anderseits das Lernen des Pferdes sich aufzuwölben, um z.B. den Reiter rückenschonend tragen zu können oder auch das Aufwölben über dem Sprung sowie einen kadenzierten Bewegungsablauf in Dehnungshaltung über Cavalettis. Durch bestimmte physiotherapeutische Übungen kann diese Art von Lernen praktiziert werden:

  • zirkus 13zirkus 12Dehnungen (s. Physiotherapie)
  • Bodenarbeit
  • Longieren / Longieren über Cavaletti / Springgymnastik
  • Zirkustricks

Wichtig für alle diese Übungen ist, dass das Pferd sie entspannt ausführen kann.

Beim korrekten Longieren in Dehnungshaltung mit aktivierter Hinterhand, lernt das Pferd sein Gleichgewicht und den ihm eigenen Rhythmus selber zu finden.

Hilfszügel sollten nur solange eingesetzt werden – wenn überhaupt notwendig – bis das Pferd die richtige Arbeitshaltung gefunden hat. Im weiteren Trainingsverlauf sind sie dann nicht mehr nötig bzw. würden stören.

Aufbauend auf dieser Art des Longieren mit einem sich in einem koordinierten Gleichgewicht befindenden Pferd, ist erhaltendes Reiten in einer schönen Balance möglich.

Ein Pferd das so ausgebildet wird, wird Freude an seiner eigenen Bewegung erleben. Abgesehen davon, dass das Pferd sich dann wohlfühlen kann, ist das auch unter sportlichen Aspekten wichtig. Denn ein guter Mitteltrab oder eine gute Springmanier können vom Reiter nicht erzwungen werden.

zirkus 10Einige der Zirkusstricks, z.B. das Plié, fördern direkt die Dehnung. Spanischer Schritt und Steigen erhöhen die Leichtigkeit der Vorhand bzw. das Versammlungsvermögen und Gleichgewicht. Durch den spanischen Schritt wird auch die Bewegungsfreiheit der Schulter erlernt und begünstigt. Durch jede Art von Bodenarbeit wird das Koordinationsvermögen des Pferdes trainiert wie auch das Vermögen, in Lernsituationen ruhig zu bleiben. Zirkustricks und Bodenarbeit erhöhen die Motivation des Pferdes. Auch, weil die Pferde hier lernen können, selbst aktiv zu werden und Dinge auszuprobieren. Es erfordert dabei einiges an Einfühlungsvermögen und Geduld des Trainers, die Pferde selbst aktiv werden zu lassen. Sie sind meistens gewohnt, ausschließlich Befehlen nachzukommen und benötigen etwas Zeit, die veränderte Situation zu nutzen. Ein Nebeneffekt des Erlernens von Zirkustricks ist, dass die Pferde sie für sich selber entdecken, z.B. die Dehnungen, und dadurch ihre Beweglichkeit und Gesundheit des Bewegungsapparates fördern.

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