Therapieziel der Chiropraktik (von altgriechisch cheir 'Hand' und praxis 'Tätigkeit') ist die Wiederherstellung der Beweglichkeit von Gelenken, vor allem der kleinen Gelenke der Wirbelsäule. Die Gelenke sind dabei nicht im klinischen Sinn subluxiert ("ausgerenkt"), sondern infolge biomechanischer neuromuskulärer Fehlfunktionen blockiert oder in ihrem „joint play“ gestört. Auch die beteiligten Nerven sind nicht „eingeklemmt“ bzw. irreversibel strukturell geschädigt.

Therapiert werden reversible Fehlkoordinationen. Die chiropraktische Therapie besteht in einer direkten manuellen Überprüfung der Beweglichkeit jedes einzelnen Gelenkes und, wenn nötig, eines „adjustments“/eines Korrekturimpulses. Dieser Korrekturimpuls wird schnell, direkt und mit einem kurzen Hebel durchgeführt und richtet sich auf die Beeinflussung der beteiligten neuronalen Strukturen. Der Impuls wird in einen gedachten paraphysiologischen Raum hinein ausgeführt, der nach Überschreiten des passiven Bewegungsspielraums, aber vor der anatomischen Barriere endend, vorgestellt wird. Der Impuls hebt die Blockade auf, indem er dem Nervensystem diesen Bewegungseindruck gibt. Dadurch kann die Bewegung in Zukunft wieder selbst vom Nervensystem initiiert werden. Ein Nervensystem besitzt eine Plastizität, es ist lernfähig, so dass sich Funktionen installieren lassen, ähnlich wie Selbstanalyse- oder Reparatursysteme eines Computers. Eine Verminderung des Bewegungsspielraums von Wirbelgelenken geht mit einer Verminderung der neuronalen Aktivität von Segmentalnerven einher. Dadurch wird die Koordination der in den entsprechenden Segmenten liegenden Muskeln gestört. Denn ein Muskel empfängt einerseits vom Nervensystem Bewegungssignale, andererseits meldet er auch die Art und Weise der ausgeführten Bewegung an das Nervensystem zurück.

Über Propriozeptoren gelangen Informationen über Stellung und Bewegung des Körpers im Raum in das Zentralnervensystem. Hier werden Bewegungen und Reflexe koordiniert. So wird Pferden beispielsweise ermöglicht, in rasantem Tempo über eine unebene nasse Wiese zu galoppieren ohne zu stürzen. Auch die Koordination der Grundgangarten in ihrer speziellen Fußfolge liegt hier begründet. Die Propriozeptoren des Nervensystems, Verschaltungen über Interneurone innerhalb des zentralen Nervensystems einschließlich des Gehirns ermöglichen anderseits das Lernen des Pferdes sich aufzuwölben, um z.B. den Reiter rückenschonend tragen zu können oder auch das Aufwölben über dem Sprung sowie einen kadenzierten Bewegungsablauf in Dehnungshaltung über Cavalettis. Auch durch bestimmte physiotherapeutische Übungen kann diese Art von Lernen praktiziert werden. 

 

Das chiropraktische Adjustment ist indiziert


  • Zur prophylaktischen Gesundheitsfürsorge 2-4 mal im Jahr
  • In der Rekonvaleszenzphase nach Verletzungen im Bereich des Bewegungsapparats
  • Bei unklaren Lahmheiten und Bewegungsstörungen zur Diagnosefindung und Therapie
  • Zur Erhaltung der Geschmeidigkeit der Bewegungen und der Beweglichkeit, zur Erhaltung und Verbesserung des Gangbilds
  • Bei sichtbaren orthopädischen Fehlhaltungen wie z.B. einem schief getragenen Schweif, einem Karpfenrücken oder nach innen oder außen rotierten Gliedmaßen, schief abgenutzen Hufen etc.

Meine Ausführungen zur Chiropraktik basieren zu einem großen Teil auf dem Artikel „Chiropraktik in der Pferdemedizin“ von TA Christine Kutscher in der Zeitschrift pferde.spiegel, enke Verlag, Ausgabe 3, 2014.

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