Prävention hat drei Aspekte: Ihnen soll im Umgang mit dem Pferd nichts zustoßen und dem Pferd selbst auch nicht. Nicht durch einen Unfall, aber auch nicht durch eine Krankheit infolge von Vernachlässigung. Es sollte nicht immer schnell gehen müssen, wenn Sie Ihr Pferd bewegen und versorgen. Bitte machen Sie sich immer wieder klar, dass er/sie Ihren Sozialkontakt braucht.

Sie sollten Ihr Pferd immer wieder in seiner Umgebung wahrnehmen und eine möglichst direkte Kommunikation etablieren. Streicheln sie ihn doch einfach mal 5 Min., stellen Sie sich dabei vor, was Sie eine gute Freundin jetzt fragen würden oder wie Sie sie liebevoll und respektvoll beachten würden. Es ist nicht gut, wenn Sie sich nebenher auf der Stallgasse mit anderen unterhalten und Ihr Pferd so nebenher läuft wie ein Moped. Beziehen Sie es mit ein bei allem was Sie tun. Nehmen Sie es doch mit auf den Hof, wenn Sie im Sommer noch draußen mit anderen Reiterinnen eine Limo trinken – er/sie steht ja doch die meiste Zeit in der Box und langweilt sich. Pferde sind sehr dankbar für direkte Ansprache und liebevolle Beachtung.

Wenn Sie diese Art von Kontakt mit Ihrem Pferd etabliert haben, gewinnen Sie auch im allgemeinen Umgang und beim Reiten viel mehr Sicherheit und ein Gefühl des Sich-Wohlfühlen-Könnens, weil Sie besser einschätzen können, was Ihr Tier im nächsten Moment tun wird und warum. Dadurch können Sie ihn z. B. schon beruhigen bevor er sich erschreckt, einfach durch den Kontakt, den er zu Ihnen hält und der ihn beruhigt, wenn Sie selbst entspannte Ruhe ausstrahlen.

Wenn Ihr Pferd auf Sie bezogen ist und sich nicht in Ihrer Gegenwart alleingelassen, überfordert und unsicher fühlt, weil Sie gegenseitig in Kommunikation stehen, wird er Ihre natürliche Autorität sehr gern annehmen und sich sicher und wertvoll fühlen. Auf diese Weise können Sie auch schon frühzeitig bemerken, wenn Ihr Pferd ein, z. B. gesundheitliches, Problem hat. Aber auch wenn er am Eingang der Reithalle oder der Weide zögert, weil es vorher ein negatives Erlebnis für ihn gab, können Sie das wahrnehmen und die Ursache finden und beheben.

Gehen Sie nicht prinzipiell über die Wünsche Ihres Pferdes hinweg. Meistens sind diese Wünsche echte Bedürfnisse und Sie verlieren nichts an Autorität, wenn Sie einen Wunsch erfüllen. Wenn Sie z. B. auf dem Außenplatz reiten und ihr Pferd hört etwas für ihn Spannendes und möchte hinsehen, dann lassen Sie doch einfach kurz die Zügel länger und lassen sie ihn einen Moment schauen – das ist doch nur natürlich und Sie schauen doch selbst auch hin, wenn Sie etwas interessiert. Danach wird er sofort wieder bereit sein, mit Ihnen weiterzuarbeiten.