Naturheilverfahren sind Regulations- und Modulationstherapien. Durch sie sollen die Selbstheilungskräfte, über die der Organismus verfügt, aktiviert werden.

Wenn Sie einmal gesehen haben, wie schnell eine kleine bis mittlere Verletzung bei einem ansonsten gesunden Pferd verheilt, dann wissen Sie, was aktive Selbstheilungskräfte sind. „Die Natur ist eine Göttin“. Oft benötigt es nur etwas Zeit, einen unterstützenden Anstoß und ein „Machenlassen“ der Natur, um einen optimalen Heilungsprozess zu erreichen. Für die Gesundheit von Pferden maßgeblich sind eine möglichst naturnahe Haltungsform (unter Abmilderung der oft harten natürlichen Umstände, die in der Natur auch Selektion bewirken) und soziale Geborgenheit.

Eine sich gegenseitig ergänzende Therapieform von Schulmedizin und Naturheilverfahren ist der beste Weg, um Patienten möglichst schonend, aber erfolgreich zu heilen. Beide Therapieansätze sollten nicht in Konkurrenz zueinander betrachtet werden. Eine verletzungsbedingte Fraktur, bei der die Knochen chirurgisch mit Metallplatten wieder fixiert werden können, ein raumfordernder Gehirntumor, eine Chipfraktur mit Gelenkmaus, eine durch ein Trauma eröffnete, infizierte Gelenkkapsel, ein anaphylaktischer Schock, lebensbedrohliche Dehydrierung, aber auch Impfungen, eine kleine Naht über eine Platzwunde, sind aussichtsreiche Indikationen für eine schulmedizinische Behandlung. Erkrankungen wie allgemeine Leistungsschwäche, unklare Lahmheiten, Rückenprobleme, rezidivierender Husten oder Durchfall/Kotwasser, Arthrose, Schmerztherapie bei degenerativen Prozessen, Stoffwechselerkrankungen, Hautkrankheiten, Verhaltensprobleme, hormonelle Störungen – die häufig ohne pathologisch abweichende Messdaten (unauffällige Laborbefunde, EKG/Röntgen etc. ohne klar definierten Befund) auftreten, können naturheilkundlich schonend und effektiv behandelt werden.

Es ist auf kleinem Raum nicht möglich, die unterschiedlichen Denkansätze bzw. Weltbilder von Schulmedizin und Naturheilkunde gegenüberzustellen. Es geht hier mehr um die Darstellung der Idee des Unterschieds. Die Schulmedizin ist hinreichend bekannt. Sie therapiert überwiegend isolierte Organe oder Lokalitäten infolge eines Befunds. „Die TCM (im Zitat TCM Traditionell Chinesische Medizin; im Kontext Naturheilkunde) beruht auf der ganzheitlichen, übergreifenden Betrachtungsweise von synchron ablaufenden vernetzten Beziehungen. [...] Je tiefer man in die moderne Physik – bis hin zu den subatomaren Teilchen – vordringt, umso mehr erscheint das Universum als grundsätzliche Einheit“ (Zitat: Carola Krokowski). In der Betrachtung der Theorie der Akupunktur wird dieser Aspekt deutlicher (s. dort). Schulmedizinisch würden z.B. „rezidivierende Augenkrankheiten, Störungen der Rosse und angelaufene Beine [...] separat bewertet, chinesisch (=naturheilkundlich) aber als einheitliche Störung des xue-Flusses (= ungefähr: Störungen des Blutflusses) angesehen“ (Carola Krokowski). Die Naturheilkunde erstellt die Diagnose und den Therapieplan für den Patienten in seinem Umfeld, mit seinem aktuell feststellbaren und/oder sich schon mit klinischen Symptomen manifestierenden Allgemeinzustand. Sie bekämpft also bei einer Infektionskrankheit nicht primär den Erreger, sondern stellt die Frage, warum gerade dieser Patient den Erreger nicht abwehren konnte und was für eine Art Ungleichgewicht seine Immunabwehr momentan schwächt.

In der Naturheilkunde können – ähnlich wie in der Traditionell Chinesischen Medizin – verschiedene Heilverfahren kombiniert, auch präventiv, zum Einsatz kommen.

 

In der TCM sind diese


  • Die Akupunktur
  • Die Phytotherapie
  • Die Ernährung

Die richtige Ernährung ist maßgeblich und vor allen Therapien für die Gesundheit, das Wohlfühlen und die Leistungsbereitschaft von Pferden konstitutiv. Heu und Wasser müssen in bester Qualität dem Pferd permanent zur Verfügung stehen. Alle anderen dem Pferd zur Fütterung angebotenen Nahrungsmittel müssen ebenfalls hochwertig und im Verhältnis zur Bewegung ausgewogen sein. Kraftfutter muss immer auf mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt gegeben werden.

 

Qi gong


Das qi gong ist im Humanbereich eine Bewegungs- und Ruheübungslehre, bei dem der körpereigene Energiefluss, das qi, gelenkt, gestärkt und bewusst gefühlt wird. Nun kann es kein Yoga für Pferde geben. Aber wir können – mithilfe von gutem Reiten und physiotherapeutischen Massnahmen – unseren Pferden Freude an der eigenen Bewegung, Koordination und Gleichgewicht vermitteln. Ein gewisses Bewusstsein für Kraft, Rhythmus und Ausdruck ihrer Bewegungen ist bei Pferden durchaus anzunehmen. Vor allem sind sie Bewegungstiere, die möglichst viel ruhige kontinuierliche und zeitweise räumlich uneingeschränkte schnelle Bewegung benötigen. Ein weiterer wichtiger und eigenständiger Bereich der Naturheilverfahren ist die Homöopathie.