Ein Hengst ist „das Pferd an sich“(Eine Stute ist natürlich ebenso "an sich" - es ist auch nie ganz richtig, Verallgemeinerungen zu verwenden - was ich sagen will ist: Ein Hengst ist bezogen auf den Menschen das Pferd an sich, weil er sich außer für seine Familie auch für andere Kontakte interessiert). Wenn Sie mit einem Pferd in Kontakt kommen wollen, weil es Sie wirklich interessiert wie diese Tiere sind, dann freunden Sie sich mit einem Hengst an. Ein Hengst wird immer aufgeschlossen sein, er möchte gerne raus und etwas erleben und gegebenenfalls möchte er sich auch vor Publikum zeigen. Hier werden Sie eine große Dankbarkeit für Ihre Zuwendung finden und eine echte Freundschaft.

Leider gibt es ungemein viele Vorurteile gegen Hengste – und sie erweisen sich alle irgendwie als richtig. Trotzdem tragen wir die Verantwortung wenn sich ein Unfall ereignet, meistens passiert das infolge Fahrlässigkeit oder Unaufmerksamkeit. Ein Hengst denkt vollkommen geradlinig. Wenn ihn die Stuten im Nachbarort interessieren, dann wird er andauernd auf eine Chance achten hinzukommen und in dem Moment, in dem wir kurz nicht bei der Sache sind und die Chance sich bietet, wird er sie nutzen. Wenn wir ihn von der Wiese geholt haben und ihn kurz danach beim Reiten ungerecht behandelt haben, dann wird er sich das nächste Mal eben nicht mehr von der Wiese holen lassen. Wallache und Stuten sind gutmütiger und leichter bereit, einmal gut sein zu lassen.

Wenn ein Hengst aber mit Konsequenz und fair behandelt wird, ist es unglaublich leicht mit ihm umzugehen und es macht sehr viel Spaß. Hengste sind sehr lerneifrig und zeigen eine hohe Präsenz. Sie sind dankbar für jede Art von Zuwendung, die sie von uns erhalten. Durch ihre meist große Kraft, die sie auch selber spüren, können Sie sehr viel an Ausdruck und Leistung im Sport zeigen. Ein einfühlsamer nicht zu strenger und ernster Reiter, der bereit ist, mit seinem Pferd als Team zu arbeiten, wird viel Freude und Erfolg ihm haben.

Es ist mir wichtig hier zu betonen, weil es allgemein wenig bekannt ist, dass Hengste sich nicht blindlings auf jede Stute stürzen. Man kann jederzeit z. B. gemeinsam mit einer Stute ausreiten gehen oder den Hengst neben einer Stute anbinden, es sei denn, sie wäre rossig. Die Hengste sind im täglichen Umgang im Stall völlig problemlos, wenn man sie nicht isoliert. Sie sollten unbedingt auf die Weide dürfen, aber mit einem ordentlichen Zaun und nicht direkt neben Stuten. In einer Wallachherde können sie gut aufgehoben sein, wenn die Weide groß genug und genügend Futter für alle da ist.